Unser Fachtag RE-BEM 2018

Unser Fachtag unter der Überschrift „mit Vertrauen stark“ folgte dem Motto „Nichts über mich ohne mich“ und nahm damit erklärtermaßen die Perspektive der BEM-Berechtigten ein.

Methodisch bestimmt wurde die Veranstaltung durch eine Mischung aus Fachvorträgen, der Arbeit in thematischen Werkstätten und einer Podiumsdiskussion. Der Fachtag ergab einen umfassenden Mix aus Erkenntnissen, Erfahrungen und Überlegungen zu sinnvollem praktischem Vorgehen für ein gutes BEM. Dieses Zusammenspiel wurde möglich, da wesentliche Akteure aus der betrieblichen Praxis, externer Beratung, Wissenschaft und Politik zusammengekommen sind. Insbesondere die Praxisvertreter_innen standen an diesem Tag im Fokus.

RE-BEM-Projektleiterin Christine Zumbeck ließ in ihrem Vortrag die Erkenntnisse und Ergebnisse des Projekts Revue passieren. Dabei nahm sie gemäß ihrer Überschrift „nichts weniger als ein Perspektivwechsel“ vor, nämlich vom Blickwinkel der Arbeitgeberpflicht, ein BEM durchzuführen hin zum individuellen Anspruch der BEM-berechtigten Person im Betrieb. Sie zeigte zunächst die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem Projekt auf, die zu einem gelingenden BEM unabhängig von der individuellen betrieblichen Situation führen können. Zentrale Ergebnisse dienten in der Arbeit mit den Projektbetrieben als wichtige Stellschrauben für die eigene BEM-Einführung und -entwicklung. Wesentliche Projektergebnisse sowohl aus der wissenschaftlichen Phase als auch aus der Phase der praktischen Begleitung konkretisierte sie schließlich zu Empfehlungen für die allgemeine betriebliche Praxis.

Karin Klopsch von der Rentenversicherung Bund und Dominik Heydweiller von der VBG zeigten die Felder der Zusammenarbeit zwischen der DRV und der DGUV zur gemeinsamen Präventions- und BEM-Beratung im Betrieb auf. Ziel ist die Verzahnung von gesetzlichem Arbeitsschutz, BEM und Betrieblicher Gesundheitsförderung. Dabei geht es darum, dass die Beratung aus beiden Institutionen „wie aus einer Hand“ erfolgen kann. Die Kooperation soll vor allem durch Modellprojekte, Qualifizierung der eigenen Beschäftigten sowie durch gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit realisiert werden.

Dr. Ulrich Faber, Fachanwalt für Arbeitsrecht, gab einen umfassenden Einblick in die aktuelle Rechtsprechung zum BEM. Er skizzierte das BEM als Suchprozess und Verfahrenspflicht zur Vermeidung zukünftiger Arbeitsunfähigkeit sowie die Auswirkungen des BEM mit Blick auf das Kollektiv- und Individualrecht. Im Weiteren umriss er die rechtlichen Anforderungen an ein ordnungsgemäßes BEM und beleuchtete die neuen Grundlagen zum Daten- und Persönlichkeitsschutz, die im BEM-Verfahren relevant werden.

In den Themenwerkstätten, denen sich die Teilnehmer_innen im Vorwege zugeordnet hatten, wurden folgende Fragestellungen behandelt:

  • Welche Stellung nimmt BEM in einer betrieblichen Kultur pro Gesundheit ein?
  • Wie kann ein BEM im Betrieb verankert werden?
  • Wie wird eine Betriebsvereinbarung verhandelt?
  • Wie sieht ein gutes Einzelfallmanagement aus, das mit ausreichend internen und externen Ressourcen ausgestattet ist?
  • Welche Qualifizierungen sind für ein gutes BEM erforderlich?

Im Anschluss an die Werkstätten konnte eine Reihe wesentlicher Aussagen zur guten BEM-Praxis mit Hilfe einiger Kurzinterviews herauskristallisiert werden. Interviewpartner_innen waren jeweils eine Person aus den fünf Themenwerkstätten.

Die Podiumsdiskussion gegen Ende der Veranstaltung wurde moderiert von dem Journalisten und NDR-Moderator Burkhard Plemper. Die Mitwirkenden Dr. Sandro Blanke vom BMAS, Markus Hofmann vom DGB Bundesvorstand, der Arbeitsrechtler Dr. Ulrich Faber, die RE-BEM Projektleiterin Christine Zumbeck und die Personalrätin Sabine Michels behandelten die Frage: „BEM auf der Zielgeraden oder findet eine Kehrtwende statt?“

Mit Hilfe der Software Poll Everywhere schließlich war es möglich, das Publikum in Bezug auf wesentliche Fragen, Rückmeldungen, Meinungen und Stimmungen einzubinden und zu befragen. Die Ergebnisse waren repräsentativ und konnten unmittelbar für alle visualisiert werden.